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lit07.de - Titelthema: Literaturbetrieb.

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Der Literaturbetrieb.


Editorial

– zur neuen Ausgabe von lit07.de

Immer wenn Großereignisse wie die Frankfurter Buchmesse oder das Wettlesen um den Klagenfurter Bachmannpreis vorüber sind, schwört sich der Literaturbetrieb vom Literaturbetrieb endgültig die Nase voll zu haben und sich nunmehr aus aller Betrieblichkeit zurückzuziehen. Wohin? Am liebsten in den eigenen Betrieb.

Dass man den Betrieb eigentlich nie verlässt, ist eine ebenso schöne wie bittere Wahrheit für alle, die in ihm tätig sind: Aussteigen kann keiner! Jede Schmähung des Literaturbetriebs, jede inszenierte Verabschiedung aus der Medienwelt, jede Abrechnung mit der Verdinglichung der Menschlichkeit im Verlagsbetrieb und unter Schriftstellerkollegen wird als neuer Treibstoff in die Maschine eingespeist, um sie am Laufen zu halten. Mehr noch: Je mehr geschmäht, gewütet und gezetert wird, umso besser läuft es. Mit jedem Skandal, jeder Provokation und jeder Demütigung geht der Puls der Kritiker, Verleger, Agenten, Autoren, Herausgeber und der Literaturmanager aller Art auf ein Niveau, das Ärzte zum Gesundbleiben empfehlen (vergleichbar mit der Pulsfrequenz, die sich nach 30 Minuten lockerem Dauerlauf einstellt).

Also erstens: Niemand kann raus. Und zweitens: Alles was man sagt und tut, fördert die internen Auseinandersetzungen und Aktivitäten, durch die dann wiederum neue Auseinandersetzungen und Aktivitäten gefördert werden usw.

Erst wenn man sich dieser zwei Grundregeln bewusst ist, lässt sich der Literaturbetrieb zugleich etwas kälter und etwas wärmer betrachten. Kälter, weil man nicht mehr so tun muss, als würde man sich furchtbar über „den“ Betrieb echauffieren, um sich von ihm zu distanzieren. Und wärmer, weil man eben nicht immer alles gleich abwehren muss, sondern an jedem Ereignis, an jeder Auseinandersetzung, aber eben auch an jeder einzelnen Publikation ein gewisses funktionslogisches Moment erkennen kann, das aus der Komplexität des ganzen betrieblichen Zusammenhangs hervorgeht, das auf ihn Weise wieder zurückwirkt und das sich auf diese Weise zugleich aus ihm speist und ihn am Laufen hält.

Wenn lit07.de sich in der aktuellen Ausgabe dem Literaturbetrieb widmet, dann immer mit dem Versuch, ihn ein bisschen kälter und ein bisschen wärmer zu sehen. Weder fällt lit06.de über den Betrieb her. Noch feiert lit07.de die Betriebsamkeit als letzte und eigentlichste Form der Literatur.

Die Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe sind – wohl oder übel – Beobachter innerhalb des Literaturbetriebs. Sie schreiben auf, was sie von ihrer Position aus der Nähe und der Distanz sehen. Sie versuchen aus dieser Nähe und Distanz die Positionen anderer Akteure und Institutionen und die Folgen von Ereignissen und Auseinandersetzungen in ihrer Rückwirkung auf den Betrieb einzuschätzen. Nicht zuletzt speisen sie selbst kleine Beiträge in das Betriebsgeschehen ein.

Vom Oktober 2006 bis zum März 2007 verteilen wir Monat für Monat neue Beiträge auf die bekannten Rubriken.

Unter lit.thema sind größere Essays und Interviews, die sich mit neuesten Entwicklungen des Literaturbetriebs beschäftigen.

Unter lit.kritik findet man Rezensionen zu neueren (und auch wichtigen älteren) Publikationen, die den Literaturbetrieb auf wissenschaftliche, essayistische oder literarische Weise zum Thema machen.

Schließlich findet man unter lit.folgen Kolumnen, die für den Betrieb den Mitarbeiter des Monats küren, das Weltkulturerbe sichern und im Hypermarché neue Konsumgüter für ein lesenswertes Leben vorstellen.

Zur Einleitung ins Thema erscheint mit der ersten Nummer ein Aufsatz zur Literaturbetriebskunde, indem ganz grundsätzlich für den etwas wärmeren und zugleich etwas kälteren Umgang mit dem Literaturbetrieb geworben wird.

Dass bei soviel mehr Wärme und soviel mehr Kälte am Ende dann doch nichts Laues, sondern allenthalben etwas Pointiertes herauskommt, das den Blick für die literaturbetrieblichen Alltag schärft, verspricht

die lit07.de-Redaktion.




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