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Blitzdings.



Früher, bevor es Google gab, war es entschuldbar, Dinge einfach zu vergessen: die Titelmelodie von „Dr. Snuggles“, den Namen des Papageis aus „Yps“, oder wie Ottfried Preußlers „Krabat“ ausging. Heute geht das nicht mehr. Man erwartet, dass wir wissen, wer Michael Gondry ist. Oder Julien Sorel. Oder Nelly Sachs. Ray Cokes, Gwen Stacy, Leiji Matsumoto: Ignoranz ist keine Option mehr. Und wenn neunmalkluge Freunde morgens um halb acht anrufen, um über die Logikfehler in „Donnie Darko“ herzuziehen („Du hast den doch gesehen?“ – „Ja. Vor drei Jahren!“), heißt es pikiert: „Dann kuck’s halt nochmal!“ Oh je! Heißt das, jeder mündige Mensch sollte sich alle fünf bis sieben Jahre aufs Neue dem „Steppenwolf“ aussetzen, oder „Es“, oder „Shakespeare in Love“? Und gilt „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ nur so lange als gelesen, wie man sich noch an den Namen des Hundes erinnern kann, der durch die Kapitel geistert? Das ist doch keine Lösung!

Deshalb hier eine Lösung: kollektives Vergessen, erase and rewind. Mit dem Blitzdings, bekannt aus „Men in Black“. Untenrum sieht es aus wie ein edler Kugelschreiber, und passt prima zwischen Waterman-Pen und iBook. Oben blitzt es. Dann wird das Gedächtnis gelöscht. Je nach Einstellung ein paar Minuten, oder ganze Dekaden. Nie wieder Küchentisch-Diskussionen über „Memento“! Keine „Soloalbum“-Zitate mehr! Und vorbei auch die Betrunkenen, die sich extravagant fühlen, weil sie den Text des „Gummibärenbande“-Lieds kennen. Sobald der nächste Klugscheißer aus „Jules et Jim“ oder „Scarface“ zitieren will, einfach das Blitzdings drücken, und schon ist Schluss mit Popkulturgeplapper. Schöne, leere, neue Welt: Eternal Sunshine of the spotless Mind. Wie in diesem Film mit Kate Winslet, “Vergissmeinnicht”. Wie hieß da nochmal der Regisseur von?


Der „Neuralizer“ aus „Men in Black“, erhältlich unter http://www.neweyestudio.com/men_in_black.htm. 29,95 Dollar plus Porto und Verpackung.




Stefan Mesch



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