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Das Buch der Bücher in aller Munde



Angeblich soll Johannes Gutenberg bei der Besichtigung einer Weinkelterei, genauer: beim Anblick der traubenstampfenden Winzertöchter, die Idee mit der Buchpresse gekommen sein. Man könnte mit Druckfarbe bestrichene Buchstaben in Papier stampfen, die Sprache aus dem Fluss der schreibenden Hand trennen, sie in ihre Elementarteile zerlegen und in einem baukastenartigen Modulsystem wieder zusammensetzen. Für den gelernten Goldschmied und Schreiber ein durchaus nahe liegender Gedanke.

Wenig später brachte Gutenberg neben dem „Türcken-Kalender auf das Jahr 1455“ und dem „Aderlasskalender auf das Jahr 1457“ auch die berühmte „Gutenberg-Bibel“ als Druckerzeugnis auf den Markt. Die kulturhistorische Medienrevolution war da und druckte sich fort. Heutzutage ist es um das Buch ziemlich ruhig geworden. Alle paar Jahre wird es totgesagt und alle paar Jahre stirbt es doch nur ein wenig. In Memoriam hat der Verlag MeterMorphosen daher ein Druckerzeugnis herausgebracht, das in keinem gebildeten Haus fehlen darf: die erste Seite der „Gutenberg-Bibel“ auf Papierservietten gedruckt. Nicht nur, dass damit der Bogen von der Schöpfungsgeschichte zum perfekten Mahl auf dem Tisch geschlagen wird; endlich hat man auch eine Serviette im Haushalt, bei der Aufdruck und Nutzen sich entsprechen. Zwar wurde hier nicht auf edlem Pergament, sondern bloß auf profanem Zellstoff gedruckt, aber der daraus entstehende Vorteil ist unbestreitbar: Wann konnte man schon zuletzt behaupten, dass das Buch der Bücher wieder in aller Munde ist? Allen literarisch und kulinarisch Gesinnten sei daher mit Gutenbergs Segen ein „Guter Appetit!“ gewünscht.


Die Gutenberg-Serviette gibt es druckfrisch für 12 Euro unter www.metermorphosen.de/ctrl.htm.




Kai Splittgerber



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