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Venus komm, ich tätowiere dich!



Für alle, die von Nixen und Seefahrt-Motiven auf der Haut nicht so beeindruckt sind, gibt es jetzt die Leibgedichte. Geheim oder offensiv getragen, können sechs lyrische Botschaften auf blickfangstarken oder verborgenen Körperpartien platziert werden. „Voll sei dies Herz/ von deiner Lust“ (Friedrich Rückert), oder auch für mutige Männer: „Venus komm und freue dich!“ (Martin Opitz). Für intime Körperstellen empfiehlt sich dagegen seit jeher Gottfried Benn: „Ruhe sanft, kleine Aster.“ Schön und gut, aber Gedichte auf den Leib zu schreiben heißt noch lange nicht, auf den Leib geschriebene Gedichte zu tragen. Schließlich sind lyrische Bekenntnisse schwer zu leisten (manch einer wird sich in seiner Jugend ein Gedicht von Hermann Hesse auf die Leisten tätowiert haben und es im Alter bitter bereuen). Aber auch das ist mit den „Leibgedichten“ kein Problem. Denn ebenso einfach wie sich die Tattoos mit etwas Wasser und Reiben auf die Haut auftragen lassen, so einfach lösen sie sich auch wieder nach drei Tagen von der Haut. So kann sich das lyrische Ich immer aufs Neue ausprobieren. Mal gut gelaunt mit Heinz Ehrhardt: „Wenn einer viele Frau’n sich nahm/ so heißt der Zustand polygam/ genügt ihm aber eine schon/ nennt man den Zustand monoton.“ Oder auch etwas gedankenschwerer mit Erich Fried: „Die Nebelkuh/ im Nebelmeer/ muht nebel mei-/ nem Bahngleis her.“ Und irgendwann hat man dann das eine, das richtige, das Gedicht fürs Leben gefunden und das wird dann mit heißer Nadel in die Haut geschrieben: „I love Mommy!“ Skindeep!



Die Lyrik-Tattoofolien „Leibgedicht“ gibt es für 6,95 Euro unter www.multipleshop.de/shop/index.html.




Kai Splittgerber



© lit06.de, 2006

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