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| lit.folgen |
Das Buch fürs Buch | |||
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Es muss ihn geben, den Bibliophilen, der in Kellergewölben zwischen Erstausgaben und Inkunabeln hockt und dort dem Ticken der Hygroskope lauscht, bevor er mit leidenden Seufzern zu seinen Memoiren anhebt. Der erste Satz schreibt sich wie von selbst: „Schon immer liebte ich den Geruch von Papier, das Rascheln der Seiten.“ Doch dann stockt der Fluss. Die Tinte trocknet im Kiel. Irgendwas fehlt. Obwohl er jeden Tag in lit.lifestyle die Gadgets und Gimmicks nachschlägt, vermisst er das ultimative bibliomane Accessoire. Schwer muss es sein, solide, haptisch. Beschreibbar im wahrsten Wortsinne. Für solche speziellen Bedürfnisse hat der venezianische Künstler Livio De Marchi einen Bücherschreibtisch geschnitzt. Genau: einen Schreibtisch aus Holzbüchern. Aus Pinien- und Kirschholz. Mit Schubladen und Schränkchen. Endlich erfährt hier das Medium Buch seine endgültige funktionale Umdeutung; wird vom Wissensspeicher und damit Stückwerk zum Werkstück, zum Gebrauchsgegenstand. Nicht mehr der Inhalt, Worte auf Papier, sind wichtig, sondern das immobile Objekt, das mithin zur Produktion von neuen Büchern dient. Wie dem unseres blassen Büchernarren, dessen Feder jetzt unbesorgt weiterkrickeln kann: „Die Neonröhren flackerten wie ein Sturmhimmel, meine papiernen Freunde schienen in ihren Regalen unruhig hin- und herzuwippen, die Glasscheiben der Schränke warfen Lichtblitze in den Raum. Ich aber saß sicher und fest an meinem Bücherschreibtisch (von Livio de Marchi!) und schrieb.“ Das dazu passende Stuhlbuch ist schon in Arbeit.
Desk of Books von Livio de Marchi für 13.600 Dollar (Pinie) oder 15.850 Dollar (Pinie und Kirsche) erhältlich unter www.mostlyglass.com.
Lino Wirag | |||
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