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Am steinharten Nippel der Muse gesaugt | |||
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Jeder Literat, der etwas von sich hält, braucht es: das Utensil, den Fetisch, ohne den das Schreiben nicht vollzogen werden kann. Was für Friedrich Schiller der Apfel unter dem Schreibtisch und für Bertolt Brecht die Mütze war, manifestierte sich bei Thomas Mann in Form eines brustförmigen Steines, den er im Sommer 1925 am Strand von Ahlbeck auf Usedom fand. „Liebe Gertrude, ...seit ich einen Stein am Strand gefunden, ihn mitnahm und selbigen heute in meiner Hosentasche fand, ist mir wohler......“ schrieb er eine Woche später an Gertrude Rauf. Fortan lag der Stein stets auf Thomas Manns Schreibtisch, stets rechts von ihm, ca. 20 cm vom Schreibtischrand entfernt. Ein magischer Sog ging von ihm aus, er wurde zur Musenbrust, zum Brust-Stein, aus dessen Quell Thomas Mann seine Inspiration sog. In seinen Werken tauchten seitdem immer wieder Hinweise auf den Brust-Stein auf: „...Ihre Brust war so rund wie ein Stein...“, „...das Nährende eines Steines...“ (Dr. Faustus), „...Er umfasste die Brust wie einen weichen Stein...“ (Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull), „...die Warze des Steines...“ (Joseph und seine Brüder, 3. Band), „...sie ließ ihn an die Härte seiner Mutter denken...“, (Die Buddenbrooks). „...ich kann von meinem Stein nicht lassen...“, schrieb er selbst noch 1938 in einem Brief an Arnold Schönberg. Diese manische Kraft eines Brust-Steines sollte sich die literarischen Nachfahren Thomas Manns auch heute nutzbar machen. Sie brauchen sich einfach nur nach Usedom begeben und am Strand einen jener Brust-Steine aufsammeln, die Thomas Mann in „Der Erwählte“ als Symbol der „nicht mehr benützten Brustdrüsen der Erdmutter, die in der Urzeit die „Nährsaftquellen“ der frühen Menschheit waren“ so erquickend in Worte zu fassen vermochte. Dem eruptiven Musenstündchen steht also nichts mehr im Weg…
Den Original Brust-Stein von Thomas Mann findet man zur Ansicht unter www.museumderunerhoertendinge.de, Pensionen auf Usedom findet man unter www.ostsee-reisen.de. Ein Appartement kostet je nach Session zwischen 50 und 150 Euro pro Tag.
Kai Splittgerber | |||
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