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...und das Geheimnis ist Essig!



In Amerika verkauft „Burger King“ auch Käsekuchen. Innendrin sind Karamellstrudel. Außenrum, auf der Pappschachtel, wird von einem spanischen König berichtet, der bereits vor 200 Jahren das „caramel secret“ lüftete und secret caramel swirls in seinen super-secret cheesecake swirlte. Aha. Jahrhundertealte Karamellgeheimnisse. Soso. Uns Achtziger-Jahre-Jungs erinnert das sofort an eine der Schlüsselenttäuschungen unserer Kindheit: an die legendären Amphoren und mysteriösen Schatullen aus den „Lustigen Taschenbüchern“, die am Ende des Comics stets ein uraltes... Kochrezept enthielten (Standardvariante: Julius Cäsars Rezept für „Caesar’s Salad“). Als Micky Maus später mal den Mailänder Dom in einem Pannetone verstecken musste, war das eine todesmutige Variation. Denn bisher durchsuchte man bei Disney Kirchen, um Kuchen zu finden. Nicht umgekehrt.

Achtziger-Jahre-Mädchen hatten andere Sorgen: die „Keypers“ zum Beispiel, scheußliche Proto-Pokémon mit blauem Kunstfaserhaar und rosa Hartplastikschale, in die man Geheimnisse einschließen konnte – leider wurden Haschkäsekuchenrezepte erst in den 90ern für uns relevant. Paradigmatisch auch die „Bluffers“, scheußliche Zeichentricktiere, die das „Geheimnis“ suchten, das Umweltschmutzfink Clan Destino in seinem Keller versteckt hatte. Die Serie wurde abgesetzt, bevor die Tiere Erfolg hatten, und wahrscheinlich war das besser so: auch, wer sich die Mühe machte, die scheußlichen Aktionskarten („Schlage ein Rad!“, „Iss Käsekuchen via Nasenloch!“) des scheußlichen „Die unendliche Geschichte“-Brettspiels auszuführen, wurde am „Ziel“-Feld schließlich nur mit einem süffisantem „JEDER ist Sieger, denn der WEG ist das ZIEL!“ abgespeist. Scheußliche Dekade!

Und es wird nicht besser: in Dan Browns „Sakrileg“, einem mäßig lustigen Taschenbuch über blöde Sachen, die in Kirchen versteckt sind, spielt das „Kryptex“ eine wichtige Rolle. Ein Zylinder aus Stein und Metall, der einen Fetzen Pergament enthält, und eine Phiole Essig. Wer ihn gewaltsam öffnet, zerbricht die Phiole, und das Geheimnis ist futsch. Also müssen erst fünf Buchstabenringe auf der Kryptex-Außenseite in Position gebracht werden: nur mit korrektem Codewort öffnet sich Da Vincis Mystery-Getränkedose. „Schön und gut“, denkt da das gebrannte 80er-Jahre-Kind. „Aber 600 Dollar für die Basis-Ausführung, und mindestens 1050 für die Dan-Brown-Variante, das ist zu viel. Denn QOTSA lagen falsch, als sie die „lost art of keeping a secret“ besangen. Die Herausforderung ist nicht die Aufbewahrung. Sondern, überhaupt eines zu haben. Ein gutes!“ Hoffentlich hat also wenigstens J.K. Rowling gute Gründe, das finale „Harry Potter“-Kapitel in einem Safe zu verwaren – nicht, dass unsere Hoffnungen auf ein schlimmes Ende schon wieder in Friede, Freude und Käsekuchen kulminieren. Warum hat uns keiner verraten, wie man Geschichten ohne peinliche „Ätschibätsch!“-Springteufel zum Abschluss bringt?


Handgefertigte, individuell zusammenstellbare Kryptexe sind erhältlich unter: http://www.cryptex.org/h_home.htm.




Stefan Mesch



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