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Auf der einen Seite steht die Kaffeehaus-Fraktion: Autoren, die sich ständig beim In-den-Milchschaum-Starren filmen lassen und immerzu mit wehendem Mantel durch die Stadt flanieren Autoren also mit einem gewissen Sicherheitsabstand zu den Banalitäten des Alltags, seriös zwar, aber ein wenig langweilig. Etwa die Hälfte der Vorstellungs-Filmchen beim jährlichen Bachmannpreis entspricht dieser Kategorie. Doch es gibt noch eine zweite, grundlegend andere Variante: Susanne Heinrich beim Après-Ski; Sasa Stanisic, im Kettenhemd auf einer „Das schwarze Auge“-Convention; Kristof Magnusson, wie er in einem Plattenbau irgendwo im Märkischen eine Nabelschnur mit seinen Zähnen durchtrennt. „Da kuckt!“, lärmt diese Form der Autoren-PR, „Wir sind zwar Schriftsteller, aber wir sind noch VIEL mehr!“.
„Nur“ Autor sein ist längst nicht mehr genug. Gefragt sind skurrile Nebenjobs, spektakuläre Hobbys, eine bizarre Vergangenheit. Jenni Zylka etwa schreibt über sich selbst: „Sie hofft, mit ihrem ersten Roman endlich so viel Geld zu verdienen, dass sie bald zusammen mit einem überkandidelten Millionär auf den Mars fliegen kann. In ihrer Freizeit arbeitet die jung gebliebene Endneunzigerin als Geheimagentin.“ [Warum fragt Zylka nicht einfach den Millionär, ob er ihr ein Ticket zum Mars schenkt?] Traurig, traurig: Ob jetzt Sybille Berg durch die dritten Programme krakeelt oder Sissi Perlinger, der Unterschiede ist allenfalls graduell. Autoren werden zu ihren eigenen Kunstfiguren, und die Kulturindustrie verwurstet diese kruden Zwittergeschöpfe in neuen, obskuren Formaten. Etwa, wenn in „The secret Adventures of Jules Verne“ der Autor himself auf der Nautilus durch die Weltmeere kurven muss.
„There is no Fantasy!“, verkündet auch HiddenPassageways.com. Einen Nautilus-Nachbau haben die verwegenen Gimmick-Konstrukteure zwar noch nicht im Programm, wohl aber den aus 40er-Jahre-Krimis und Superheldencomics wohlbekannten „Kippe ein Buch im Regal, und dahinter öffnet sich ein Geheimgang“-Mechanismus. Literarische Figuren benutzen solche Sperenzchen, um ihre geheime Zweit-Identität zu verbergen. Dasselbe sollten auch Autoren tun: Christian Krachts Zaubertroll-Sammlung, der Fransenpony von Juli Zeh, Benni Leberts Debütsingle schnell weg damit, ins stille (Geheim-)Kämmerlein* in den Keller damit! Denn wenn Autoren verrückte Dinge tun, dann bitte heimlich. Oder maskiert. Schreiber müssen schreiben. Vor Kameras (oder auf den Mars) sollte nur, wer sonst nichts besseres zu tun hat: Fernsehköche zum Beispiel. Oder Tiere aus der Klingeltonwerbung.
*Eine Idee am Rande: Vom Erlös jeder verkauften Ausgabe von „lit.lifestyle“ könnten 5 Euro an die „Eine Schachtel für Schätzing“-Stiftung gehen, die den beliebten Autor in eine Kartonagen-Wohnzelle umsiedeln will. Nur so können weitere Medienauftritte des Autors wirkungsvoll unterbunden werden.
Geheimgänge, Bunker und versteckte Räume, erhältlich bei www.hiddenpassageway.com. Do-it-Yourself-Sets ab 1500 Dollar, Komplettkonstruktionen ab 10.000 Dollar.
Stefan Mesch
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