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Wer „long books“ googelt, landet auf der Website der seltsam alterslosen, sympathisch kugeligen Bestsellerautorin Diana Gabaldon. Das ist die, die „Feuer und Stein“ schreibt. Die Romanserie über eine Krankenschwester auf Zeitreise, die sich im 18. Jahrhundert in einen strammen Schotten verliebt. Bücher also, die unseren Müttern empfohlen werden, von seltsam kinderlosen, unsympathisch kugeligen Fußpflegerinnen. Gabaldons Website enthält viele lange Texte über ihr Schreiben. Fazit: „Ach, bei mir geht das alles eher so... so schwupps halt!“ Spannungsbögen? Vorgeplante Plots? Ratgeber und Regelpoetik? Nein. Gabaldon streitet sich mit ihren Figuren, lässt das Liebespaar selbst entscheiden, wie es weitergeht. Willkommen zurück, Geniemythos!
Wer „Macht den Tisch völlig überflüssig!“ googelt, landet bei einem seltsam apathischen Mädchen mit Assi-Palme, das auf einer riesigen Klopapierrolle hockt und an einem Filzstift leckt. „Children’s Paper Chair“ heißt das Produkt: eine Staffelei, bei der Kinder eine Papierbahn bekritzeln, die so aufgerollt ist, dass man gleichzeitig auf ihr sitzen kann. „500 Endlosmeter Papier!“, jubeln jetzt Autodidakten wie Gabaldon und hocken sich sofort breitbeinig an ein neues Endlos-Epos. Doch hoffentlich geht der Stuhl nicht auf Zeitreise: Siegfried Kracauer, wie er damit über den Alexanderplatz bollert? Bremsspuren und Eingetrocknetes bei Henry Miller, quer durch 500 Meter Manuskript? Klar: Kafka mit Assi-Palme, das wäre schon prima. Aber am Ende macht sich der Dussel vom niedrigen Sitzen sein Knie kaputt. Und dann liegt er wieder heulend unterm Kanapee.
Gabaldons unbedarfte Romantik macht umso deutlicher, wie viel Kalkül sich hinter Litatur-PR wie „Houwelandt. Ein Roman entsteht.“ verbirgt. Der Film zeigt John von Düffel als akribischen Planer, der nimmermüde an seiner profan-protestantischen Fleißaufgabe werkelt. Das ist weniger Dokumentation, als Standardisierungs- und damit Qualitätsversprechen. Doch sowohl von Düffels überdeutlich herausgestellte Ernsthaftigkeit als auch Gabaldons penetrante Mühelosigkeit müffeln nach Selbstrechtfertigung. Kann man Schreiben lernen und damit auch lehren? Ist Literatur „nur“ ein Job? An dieser Frage zeigen sich Schizophrenie und Komplexe einer ganzen Branche. Und deshalb braucht jeder ernsthafte Autor den „Children’s Paper Chair“. Wenn dann die Agentin oder die Presse einläuft, präsentiert er einen halben Kilometer Fließtext, handgeschrieben. Und sagt wahlweise: „Ich bin ein Fleißchen!“ oder: „Ich bin ein Genie!“ Letztendlich bleibt die Botschaft gleich: Was Schriftsteller können, das können nur Schriftsteller.
Der „Children’s Paper Chair“, entworfen von der dänischen Designerin Charlotte Friis: www.charlottefriis.com/CPC01.htm. Keine Preisangabe.
Stefan Mesch
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