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lit07.de - Titelthema: lit.betrieb.

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Blutwurst mit Buch



Teekanne verteilt aufklappbare Buchzeichen, die einen Probebeutel der Teesorte "Garten des Sultans", "Sonne des Buddha" oder "Wind der Savanne" enthalten. Einmal schmeckt man "den wilden Zauber eines orientalischen Gartens", das andere Mal "die Mystik, die Weisheit und die innere Gelassenheit" der fernöstlichen Welt. Und wer danach doch noch Bewegung braucht, der darf sich die "warme Frische des afrikanischen Windes" um die verzauberte Nase wehen lassen, die gelassen im Gesicht hängt. Man kann das als weiteren Versuch verstehen, das Buch als multimediales Erlebnis zu verkaufen. Wo Illustrationen, Hörbücher oder Verfilmungen den Leser noch immer bloß als imaginierendes Wesen einbeziehen, wird er nun in seiner ganzen Sinnlichkeit Ernst genommen. Wenn man Goethes "West-östlichen Divan" liest, dann versetzt man sich nicht allein gedanklich in den Orient, man riecht den "Garten des Sultans" ganz unmittelbar. Oder wenn man sich mit Karl May "Im Lande des Madi" bewegt, dann fühlt man die heiße Luft der Wüste gleich auf der solariumgegerbten Hand, die sich um die Tasse schlingt. Und bei der Lektüre von Hermann Hesses "Siddharta" durchwallt den Leser das wohlige Gefühl der innigen Verbundenheit mit den Kräften und Mächten des Kosmos' bis in die Magengrube, wenn er in sanften Schlucken die "Sonne des Buddha" in sich einfließen läßt. Damit eröffnet sich ein ganz neuer Markt fürs Lebensmittelbuch: Schokoladentäfelchen mit Hera Lindt; Lolis mit Stuckrad-Barre; Blutwurstscheiben mit "American Psycho". Es gibt dann die Konserven unter den Schmökern, die jahrelang unter allen Bedingungen genießbar bleiben; und es gibt Bücher im Kühlregal - leicht verderbliche Ware, die schnell genossen sein will. Es gibt fade Bücher, scharfe Bücher, süße Bücher. Man kann heute italienisch lesen gehen und morgen chinesisch. Für jeden Geschmack sollte etwas dabei sein.


Die Teebeutelbuchzeichen liegen in Thalia-Buchhandlungen gratis aus.




Steffen Martus



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