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lit07.de - Titelthema: lit.betrieb.

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Parnassrasur



So ist es eben, das Dichterleben. Schaffensrausch und Schnapskoma. Heute groß in der FAZ, morgen knietief im Dispo. Oder umgekehrt. Jeder Tag auf Messers Schneide. Für diese Situation ist die Rasierklinge nicht nur dramatisches Sinnbild. Sie ist auch praktisches Accessoire. Nicht nur bei der Morgentoilette, wenn der moderne Bohemien sich die Exzesse der vergangenen Nacht aus dem Gesicht schabt - schließlich will er genauso scharf aussehen wie auf seinem Buchumschlagfoto. Beim Katerfrühstück im Stammcafé baumelt das Stahlblättchen an der Halskette, als Statement des living on the edge. Der Literaturdandy achtet darauf, dass die Klinge nicht in den Milchkaffee hängt, das würde sie stumpf machen. Abends dann, vor der Lesung, kommt das zweischneidige Messerchen beim Kokainhacken zum Einsatz. Das bringt den Ego-Kick, außerdem hilft's gegen den Schmerz - auf der Bühne ritzt der Dichter sich seine Internetadresse in die Stirn: www.cut-and-paste.com.


Rasierklingen, z.B. Gillette Rotbart Extra Dünn, 10 Stück für ca. 3 Euro. In jedem Drogeriemarkt.




Jan Oberländer



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