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lit07.de - Titelthema: lit.betrieb.

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Rollenprosa



Deutschland. Land des Überangebots. Konsumgüter haben es hier nicht leicht. Die Konkurrenz schläft nicht, es wird geworben, was das Zeug hält. Immer schriller, immer absurder, immer außergewöhnlicher. Gute Werbung ist Kunst, Kunst ist gute Werbung, Kreativität kennt wenig Grenzen und schon gar keine Tabus. So ist es kein Wunder, dass auch die letzten unentdeckten Orte nicht sicher vor Anzeigen sind. Zwanzig Minuten täglich verbringt der deutsche Bundesbürger durchschnittlich auf der Toilette. Genügend Zeit, um einen Werbeblock einzuschalten. Also Schluss mit Muster. Laut Georg Hemmerstoffer, Chef der “Wishi-Hygienepapierwerbung”, haben Zeitungen und Plakate als Werbeträger ohnehin bald ausgedient. Der Saarbrücker hatte schon vor zwanzig Jahren den Einfall der Klopapierwerbung, der für ihn äußerst effektiv, ja zukunftsträchtig ist. Auf www.wildwechsel.de plant er heute, mit zielgruppengenauem Werben auf Wischpapier Schülern das Rauchen abzugewöhnen und Patienten Abführmittel aufzuschwatzen. Warum nicht noch mehr? Wahlzettel, Kinokarten. Oder literarische Werke – Gedichte, Romanauszüge. Vielleicht die Möglichkeit, gegen die deutsche Leseunlust anzukämpfen oder als unbekannter Schriftsteller auf sich aufmerksam zu machen. 20 Minuten pro Tag. Selbst wenn man gemütlich liest, hätte man den ganzen Proust in vier Jahren abgerollt.


Allgemeine Informationen rund um die aufregende Geschichte des Klopapiers gibt es unter www.wikipedia.de
Wer sich Klopapier individuell bedrucken lassen möchte, der hat die Möglichkeit unter www.wishi.de oder www.bedrucktes-klopapier.de
Oder einfach bei Google „Werbung auf Klopapier“ eingeben. Erstaunlich, wie viel Treffer es gibt...




Anna Punke



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