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Was tun, wenn besonders schöne, ästhetisch vorwärtsweisende Texte zur Veröffentlichung bereit liegen, von Dichtern, die die Welt von ihren Rändern her pinzettengenau erspüren? Was tun, wenn es für diese poetischen Nachrichten keinen Verlag gibt und kein Format?
In diesem Fall muss etwas erfunden werden. Etwas wie die edition parasitenpresse: Gebrauchte Briefumschläge, natronbraunes Packpapier, verwandelt in Bücher, mit denen man, trotzdem sie nicht gebunden, sondern getackert sind, so richtig etwas in der Hand hält. Raue, ungleichmäßige Flächen, Knitterstellen und Falze, Gummierungsreste, Stempel und Adressaufkleber machen das Lesen dieser mit dem Tintenstrahldrucker produzierten Unikate auch zu einem haptischen Genuss: Text und Papier korrespondieren miteinander, Lesen und Tasten werden eins.
Die griffigen Heftchen werden seit 2000 von Wassiliki Knithaki in Köln verlegt, in produktionskostensparender und zugleich wohlfeiler Auflage. Bisher sind 19 Bände in der Lyrikreihe erschienen, eine Prosa-Edition ist gerade gestartet. "DIE WORTE KLEIN HALTEN", schreibt Björn Kuhligk in seinem Band, "bis sie zu Fingern werden / über den Abwurfgebieten / die wir Geschichte, Liebe oder anders nennen" Die Parasiten sind in Wahrheit Symbionten. Noch nie hat sich Recycling so gut angefühlt.
edition parasitenpresse. Erscheint bei Wassiliki Knithaki in Köln, immer 14 Seiten, 5 Euro. http://parasitenpresse.kulturserver-nrw.de
Marius Hulpe
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