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Literatur passiert im Kopf. Genau wie Horror, Musik und Kunst auch. Das Artefakt ist nur der Aufhänger: ein Stück Außenwelt, das die richtigen Fragen aufwirft. Feiert die Leerstelle! Kultur ist das, was zwischen den Zeilen passiert.
Sonderlich sexy ist dieses Denkmodell nicht. Es erfordert Arbeit für den Konsumenten, Auseinandersetzung und Stress. Genau deshalb wird das mediale Äquivalent zum All-Inclusive-Rundumsorglos-"Nur essen müssen Sie noch selbst"-Tiefkühlfraß niemals aussterben: vorgekauter Einheitsbrei wie "Verschollen" (statt "Lost"), Keane (statt Radiohead), Wiglaf Droste (statt Max Goldt). "Pop will eat itself"? Aber hallo! Und anschließend kotzt er sich wieder aus: "Hey, war echt lecker. Probier mal!".
Auch Pornographie passiert im Kopf. Gute Pornographie jedenfalls - wer es scharf findet, brustwarzengroße CGI-Nackedeis auf der Desktop-Statusleiste herumturnen zu lassen, dem ist nicht mehr zu helfen. Dann lieber low-tech: zum Beispiel mit "Erotic Dots". Malen nach Zahlen, anspruchsvoll, intelligent und interaktiv. Die Köpfe der kopulierenden Pärchen sind vorgegeben. Alles andere muss selbst verknüpft werden, mit dem Bleistift, in mühevoller Kleinstarbeit. Triebabfuhr war gestern. Bei "Erotic Dots" fassen sich lustfeindlich-protestantische Arbeitsethik und meditative Transzendenzverheißungen gegenseitig in den Schritt. "If you're any good at art, it's grubby as hell. If not, you may inadvertedly discover some impossible positions." Die Apotheose des Pornos zum Hypertext: Geil ist, was du draus machst.
John Mason: "Erotic Dots: Join the dots to create 60 sexy and exciting pictures". Carlton Books, London 2004. 128 Seiten, 12,50 Euro.
Stefan Mesch
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