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Karriere-Knick


Mitte der achtziger Jahre - in der Zeit der großen Erfolge des von Air Jordan angeführten us-amerikanischen Dreamteam - kam ein Papierkorb in Mode, über dessen Öffnung ein Korb für einen Basketball befestigt war. Der Witz: Wer aus einiger Entfernung zerknüllte Blätter hineinwarf, wurde mit einem über einen mickrigen Lautsprecher eingespielten Jubel belohnt. Das Ding war Quatsch. Aber es konnte süchtig machen. Immerhin hat es einige junge Schriftsteller in Basketballspieler verwandelt. Dirk Nowitzki zum Beispiel hat schon als Achtjähriger jedes Blatt seiner Romananfänge vom Kinderschreibtisch aus mit traumwandlerischer Sicherheit in Drei-Punkte-Würfe verwandelt. Irgendwann war Zeit, das Fach zu wechseln.

Nun ist das Papierzerknüllen nicht jedermanns Sache. Nicht jeder hat die Kraft dazu. Auch fehlt vielen die Größe, die es braucht, um sich im Literaturbetrieb oder in der National Basketball Association durchzusetzen. So empfiehlt sich für alle, die fürs Große zu klein sind und denen es am talentierten Wurf- und Schreibarm mangelt, die Rückbesinnung auf eine alte japanische Kunst, die derzeit wieder Konjunktur hat: Origami, das Falten von Papier zu Formen und Figuren. Aus Gedichten, Romananfängen, ersten Skizzen für Kurzgeschichten, aber auch aus kompletten Büchern lassen sich wundervolle Objekte knicken, die den Menschen (und dem Knicker selbst!) große Freude bereiten. So kann aus schlechter Literatur mit etwas Talent und Geduld doch noch etwas Gutes werden. Der Dichter faltet sich ab jetzt selbst zusammen. Der Lektor lehnt das Manuskript als Falt-Sarg ab. Der Kritiker erspart sich den Verriss und formiert sich seine Rezension als Scherbenhaufen aus Papier. Das ist das faszinierende Geheimnis von Origami: Je nachdrücklicher man bereit ist, Träume zu knicken, umso größer wird der Entfaltungsspielraum. Nicht zuletzt für die Literatur.

Die hohe Kunst des Manuskriptfaltens wird dokumentiert in: Masters of Origami. Die Vielfalt der Faltkunst. Hatje und Cantz, Ostfildern-Ruit 2005, 144 Seiten, 29,80 Euro. Wer das Manuskriptfalten selbst erlernen will, klickt auf www.papierfalten.de


Stephan Porombka


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