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Ruhe in Frieden


Der Vater des Philosophen Jacques Derrida soll kurz vor seinem Tod noch seine eigene Todesanzeige aufgesetzt haben. Rainer Maria Rilke hat gar seinen Grabspruch selbst gedichtet: „Rose, oh reiner Widerspruch, Lust / Niemandes Schlaf zu sein unter soviel / Lidern“. Solch viel sagende Hermetik lädt ein zur gefühligen Kontemplation – Lider/Lieder, Eros/Thanatos, Hirnkino, Unsterblichkeit. Sie erinnert aber zudem daran, dass zu einer guten Geschichte, auch zu einer Lebensgeschichte, eine ordentliche Pointe gehört. Die letzte Ruhestätte als Höhepunkt der Selbstinszenierung. Designerurnen und bunte Särge gibt es bereits. Lange kann es nicht mehr dauern, bis die Friedhofsverwaltungen auch ihre strengen Grabmalgestaltungsvorschriften lockern. Es lohnt sich also, schon einmal über einen passenden Schlusssatz für das eigene Leben nachzudenken. Die Möglichkeiten der steinernen Selbstdarstellung sind heute schier unbegrenzt. Mit modernster Lasertechnik lassen sich Texte ebenso leicht in den Granit gravieren wie Bilder. Die Firmen sind flexibel: Man kann seine Motivwünsche als Foto einschicken oder Bilddateien mailen, coole Schrifttypen gibt’s im Internet. Und irgendwann einmal wird es plötzlich soweit sein. Beim Friedhofsspaziergang sieht man dann in Arnold Schwarzeneggers Terminator-Gesicht, liest einen Namen und ein paar Zahlen. Und dann, in fetten Blockbuchstaben, die Inschrift: „I’LL BE BACK.“


Ein bossiertes Granitherz kostet 485 Euro, inklusive Gravuren. Unter http://www.grabmale.bildgravur.com/index2.htm kann sich von weiteren Beispielsteinen inspirieren lassen. Sie sind sehr zurückhaltend und traditionell. Kreative Anfragen an die Firma könnten das ändern.


Jan Oberländer


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