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Nur Narrenhände tapezieren Wände


Eine durchgestylte Wohnung ist heute kein Indiz mehr für guten Geschmack. Sie ist das logische Ergebnis der Doku-Soaps, die auch dem Unsensibelsten Privatfernsehkonsumenten Ästhetik im Alltag mit Hilfe von Ikea und harmonischen Wandfarben vermitteln. Wenn also auch noch die letzte Couch-Potatoe „wahnsinnig toll“ wohnt, dann muss man sich wieder um den feinen Unterschied bemühen. Erfolg verspricht da die Literaturtapete. Wer sich jetzt nicht nur als Connaisseur der stilvollen Kunst des Wohnens, sondern auch als Freund der gehobenen Literatur präsentieren will, dem sei sie ans Herz geklebt. "Poesie ist ja nichts Angenehmes", sagt Herta Müller, die Verfasserin der Tapetenliteratur, und so meint sie es auch. Sie bietet das perfekte Accessoire für alle Gegner der vierwändigen Gemütlichkeit. Die Literaturtapete setzt der Harmonie am Kaffeetisch die Irritation an der Wand entgegen. Sie ist in verschiedenen Formaten erhältlich - für den kleinen Geldbeutel die 35 Euro-Tapete in Posterformat beispielsweise für die Toilettentür. Großformatigere Exemplare sind gut über dem Bett zu platzieren, angesichts der ins Auge stechenden Botschaft ist man auf den ersten Blick wach. Aber der wahre Kenner gibt sich mit nichts weniger als der 3,30 x 2,50 m Tapete (5 Bahnen) für 249 Euro zufrieden. Das kostet so viel, dass es erstmal in keiner Doku-Soap empfohlen wird. Warum auch? Wer fernsieht, will ja nicht lesen.


Die Literaturtapete ist in 8 verschiedenen poetischen Designs erhältlich unter www.drnice.net .


Sandra Czerwonka


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