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Schreiben mit Eiter auf Blut

"Unkonventionelle Magazine erfordern manchmal entsprechende Mittel." Das schreibt der Chefredakteur von Technology Review, dem M.I.T.-Magazin für Innovation, im Editorial der ersten deutschen Ausgabe im September 2003. Entsprechend unkonventionelles Mittel zur Heft-Premiere: Biologische Schriftproben für die Titelgeschichte. Auf einem Nährboden von Schafsblut wurde der Eitererreger Staphylokokkus aureus mit einer Impföse so platziert, dass daraus über Nacht Worte wuchsen. "Biotech" zum Beispiel oder: "Das" "Geschäft" "mit" "der" "Hoffnung". Das ist innovativ. Das kann das Schreiben revolutionieren. Mit Eiter auf Blut schreibt sich manches Gedicht leichter. Und es wächst von selbst. Auch Briefe an Freunde mit Grippeviren auf Auswurf. Romane mit Gonokokken auf einer Nährschicht aus Schweiß und Tränen. Lebensnah, erregend, ansteckend. Und unkonventionell. So wie echte Literatur sein muss.

* Für Technology Review schrieb mit dem Eitererreger: Hanna Wilk, ltd. MTA, vom Institut für Klinische Mikrobiologie an der Medizinischen Hochschule in Hannover. Weitere Schreibaufträge werden vielleicht angenommen unter ihrer Dienstnummer auf der Homepage der Hochschule: http://www.mh-hannover.de/institute/mikrobiologie/mitarbeiter_gru.html (Preis pro Wort müsste wahrscheinlich verhandelt werden).

* Technology Review. Das M.I.T.-Magazin für Innovation, Nr.9, September 2003, 6,80 Euro.



Stephan Porombka


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