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lit06.de - Titelthema: Ratgeber.

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Get up, stand up


Früher, als die Menschen noch klug und die Bücher noch gut waren, schrieb man nicht im Sitzen. Goethe und Schiller hielten sich mit erhabener Miene an ihren Stehpulten gerade. Die sprachliche Klarheit der Klassiker ist nicht zuletzt auf diese Körperhaltung zurückzuführen. Es folgte der schleichende Niedergang. Während Fontane und Thomas Mann noch aufrecht saßen, neigten Brecht und Frisch bereits zum Rundrücken. In den 1980ern soll Rainald Goetz das halbliegende Schreiben eingeführt haben. Heute hängen die Jungliteraten vorn übergebeugt an niedrigen Ikea-Schreibtischen vor den PCs und finden zwischen Essensresten und Zettelgebirgen noch nicht einmal Platz für die Unterarme. Zum Glück hat sich das Nobelversandhaus „manufactum“ dieser Zielgruppe angenommen. Dort gibt es den Stehsekretär aus Kirschbaumholz. Für alle, die beim Schriftstellern lieber einen Hauch der Weimarer Erhabenheit spüren. Leider ist das „kleine Ordnungswunder“, wie es der Katalog nennt, mit einer Gesamthöhe von 1,50 Meter zu klein für die durchschnittliche Körpergröße heutiger Schriftsteller. Goethe (1,69 m) mag vor 200 Jahren an einem solchen Sekretär stehend den Haltungsschäden und der Trivialität getrotzt haben, zeitgenössische Literaten könnte die Verbeugung vor dieser Vergangenheit eher noch buckliger machen.


Für 1780 Euro unter http://www.manufactum.de

Johannes Schneider


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