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lit06.de - Titelthema: Ratgeber.

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Modeliteratur

Natürlich ist es ein alter Hut, die eigene Gesinnung per T-Shirt kundzutun. Trägt jemand aber ein T-Shirt, auf dem drauf steht, dass es ein alter Hut ist, seine Gesinnung per T-Shirt kundzutun, könnte er zu den Performern des Konzeptkünstlers Frieder Rusmann gehören. Auf seiner Homepage verkauft Rusmann sentenzbeladene T-Shirts ab 85 Euro. Und wer eins erwirbt, darf sich beim Tragen als „Walking Exhibition“ bezeichnet. Das wird dann auf der Homepage mit Modelfotos dokumentiert. Das dürfte Nachahmer finden. Zum Beispiel Brigitte Oleschinski könnte für ihre Fangemeinde eigene Gedichtzeilen auf T-Shirts drucken. Auflagenzahl um die 10 Stück, Kostenpunkt 160 Euro. Man darf es nur zum Sport oder Sex tragen, als „Moving Exhibition“. Modellfotos inclusive. Aber warum nicht gleich selbst Performance-Künstler werden und Literatur-T-Shirts produzieren? Am besten man legt gleich los und lässt sich Lieblingssätze unter www.shirtalarm.de aufs letzte Hemd drucken. Ein Pyjama mit dem Proust-Zitat „Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen“ bekommt etwas Verruchtes. Intellektuelle könnte sich „Subjektive Sichtweisen“ aufs Hemd sticken lassen. Alt-Achtundsechziger könnten ihren Hanf-Pullover mit „Piss of the Prof“ verschönern. Auch dieser Text hier passt gut auf die Innenseite jedes Ärmels. Wenn man gefragt wird, was für ein idiotisches Shirt man trägt, kann man ihn einfach rausschütteln.


Anregungen von Frieder Rusmann gibt es auf www.fabrik-ver-kauf.de, Leute, die es kaufen wollen vermutlich an jeder Straßenecke.


Kai Splittgerber


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