eine Seite zurück diese Seite drucken zur Startseite



lit07.de - Titelthema: Literaturbetrieb.

Service




Handapparat


Titel für die kulturjournalistische Praxis



Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie

Das jetzt bereits in der dritten Auflage vom Herbst 2004 vorliegende Lexikon des Metzler Verlages bietet besonders Studienanfängern einen hilfreichen Überblick über die diversen Methoden und Theorien, die in der aktuellen Literaturwissenschaft, aber auch den anderen Philologien Konjunktur haben. Neben den Begründern oder bedeutenden Vertretern der verschiedenen theoretischen Ansätze (wie z.B. Pierre Bourdieu/ Roland Barthes/ Susan Sontag), die in kurzen biographischen Skizzen und mit ihren wichtigsten wissenschaftlichen Stationen vorgestellt werden, bilden die Begriffe, die die Theorieansätze prägen (wie z.B. Diskurs und Diskurstheorien/ Systemtheorie/ linguistic turn) den zweiten Schwerpunkt dieses gut 700 Seiten umfassenden Lexikons. Zusätzlich werden in bis zu sechsspaltigen Artikeln die Literaturtheorien der verschiedenen Literaturepochen vorgestellt und erläutert. Die mehr als 760 Artikel sind durch Querverweise miteinander verschränkt und jeweils mit einem oder mehreren bibliographischen Hinweisen ergänzt.
So kann das Lexikon getrost als Standardwerk bezeichnet werden. Es bietet einen guten Kompass, um über die ersten Anhöhen des „Theorienberges“ zu gelangen. Die rasch aufeinander folgenden Neuauflagen, die jeweils durch weitere Artikel ergänzt und korrigiert werden, zeigen an, wie schnell das Buch jeweils vergriffen ist und wie aktuell es dadurch gehalten wird.

Ansgar Nünning (Hg.): Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Ansätze – Personen - Grundbegriffe. Verlag J.B. Metzler,, Stuttgart/ Weimar 2004. 742 Seiten, Hardcover. 29,95 Euro.

Frithjof Klepp




Kritiken schreiben. Ein Trainingsbuch.

„Hier lernt der junge Kritiker zu beschreiben und zu analysieren, er lernt, Werke in größere Zusammenhänge zu stellen und sie als Symptome von Trends zu betrachten, und er erprobt sich schließlich darin, komplexe Texte zu reduzieren und pointiert zu werten und zu erzählen. Porombka begleitet all diese Trainingseinheiten mit 23 Übungen, in denen er ganz nebenbei große Texte der Weltliteratur ins Spiel bringt, seine Aufgabenstellungen erreichen dadurch ein hohes Niveau und haben durch ihre erfrischende und brillante Intellektualität so gar nichts vom muffig-tranigen Belehrungscharakter der üblichen Ratgeber.“ Hanns-Josef Ortheil, Literarische Welt

Stephan Porombka: Kritiken schreiben. Ein Trainingsbuch. UTB, Konstanz 2006, 270 Seiten, 17,90 Euro.




Das BuchMarktBuch

Mal eben nachschauen, wie eine ISBN funktioniert. Und sich dann in den komplexen Netzwerken des Buchmarktes verstricken. Das könnte das Schicksal des Lesers sein, der das 2005 bei Rowohlt erschienene "BuchMarktBuch" erstmal nur durchblättern will. Denn die über 120 Einzelartikel dieses nützlichen Nachschlagewerks verweisen immer auch auf thematisch verwandte Stichworte, so dass man von der "ISBN" aus schnell beim "Titel" ist, von dort aus beim "Paratext" oder beim "Marketing", und von dort aus wiederum bei der "Kommunikationspolitik", beim "Markt" oder beim "Verlag".

Das ist beabsichtigt. Es ist der erklärte Anspruch des Herausgeberteams um den Berliner Literaturprofessor Erhard Schütz, sich nicht auf eine Perspektive zu beschränken, sondern den Buchmarkt auch innerhalb der einzelnen Artikel als dynamisches und komplexes System zu betrachten, in dem Literatur und Ökonomie in ständiger Wechselwirkung stehen. Von "Absatz" bis "Zwischenbuchhandel" greift das Handbuch auf Fachwissen von Experten aus allen Bereichen des Buchmarktes zurück. Und vernetzt es. Philologen zählen ebenso zu den Beiträgern wie Juristen und Marketingexperten, Kritiker und Lektoren, Literaturveranstalter und Verleger. Und so werden Paratexte (wie Rezensionen) als wichtige Instrumente im Buchmarketing vorgestellt, ohne die literaturwissenschaftlichen Dimension dabei auszublenden.
Ein übersichtliches Register und ein umfangreiches Literaturverzeichnis runden diese neue "Rowohlt Enzyklopädie" ab. Das "BuchMarktBuch" ist ein wirkliches "Lese- und Lernbuch", ein echtes Praxislexikon, und somit ein unentbehrliches Handbuch für alle, die professionell mit Literatur zu tun haben.

Das BuchMarktBuch. Der Literaturbetrieb in Stichworten. Hrsg. von Erhard Schütz, zusammen mit David Oels, Stephan Porombka und Thomas Wegmann. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005. 428 Seiten, Paperback. 14,90 Euro.

Jan Oberländer




Handbuch Journalismus und Medien

Irgendeinen Nutzwert kann man ihm sicherlich nicht abschlagen, diesem 500-Seiten-Nachschlagewerk, das den Versuch unternimmt, den Bereich Medien und Journalismus unter thematischen Schlagwörtern von Recherche über New Journalism bis hin zu Rollenselbstverständnis begreifbar zu machen. Aber Zweifel bleiben.
Ihr zentrales Ziel sei Aufklärung, schreiben die Herausgeber Weischenberg, Kleinsteuber und Pörksen im Vorwort. Aufklärung "über die Institutionen, Strukturen, Prozesse und Akteure, die uns permanent Weltwissen offerieren". Zielgruppen seien "Praktiker", "praktisch orientierte Wissenschaftler", "Studierende und Lehrende", "Volontäre, Journalisten und Ausbilder" - also im Grunde alle, die im Medienbereich tätig sind.
Jeder dieser Akteure wird etwas mit diesem Handbuch anfangen können und doch Dinge vermissen. Der Anfänger freut sich über Genreerklärungen, die aber allenfalls allererste Fragen beantworten. Er wird also besser gleich zum Handbuch greifen, das sich nur der Reportage, nur dem Interview, nur der Glosse widmet. Dem Wissenschaftler werden viele Begriffe zu oberflächlich behandelt sein. Den praktisch erfahrenen Journalisten werden wahrscheinlich im Berufsalltag speziellere, außergewöhnlichere Detailfragen interessieren.
Keine Frage - diese Problematik liegt natürlich im Prinzip des Genres Handbuch begründet. Und so sprechen auch die Herausgeber von notwendigen Kompromissen. Doch bleibt der Bedarf an einem solchen Nachschlagwerk fragwürdig. Zumal bei dem ansonsten sehr guten Angebot, das gerade die Reihe "Praktischer Journalismus", in der der Bad erschienen ist, ansonsten zu bieten hat.

Siegfried Weischenberg, Hans J. Kleinsteuber, Bernhard Pörksen (Hg.): Handbuch Journalismus und Medien. Reihe Praktischer Journalismus, Band 60. UVK Verlag, Konstanz 2005. 500 Seiten, Hardcover. 34,90 Euro.

Ariane Arndt




Journalistische Kreativität

Nur wer kreativ ist, kann sich auf Dauer journalistisch behaupten und erfolgreich sein. Und "kreativ sein" heißt, die Mechanismen des eigenen Gehirns und der redaktionellen Arbeitsprozesse zu überlisten.
Jens-Uwe Meyer, lange Zeit tätig als Nahost-Korrespondent und Chefreporter, arbeitet als Redaktionstrainer und -berater. Im Rahmen dieser Arbeit ist sein Beitrag in der Reihe "Praktischer Journalismus" des Universitätsverlags Konstanz entstanden: Ein therapeutischer Leitfaden für unkreative Redaktionen, die im Alltagsgeschäft untergegangen sind. Der erste Teil über neuronale Informationsverwertung und Kreativitätslenkung ist auch für Berufseinsteiger von Interesse, weil er die Funktionsweisen des menschlichen Hirns darlegt und erläutert, wie man sich selber immer wieder zur Kreativität erziehen kann.
Hauptaugenmerk des Handbuchs aber liegt auf der Erkennung von kreativitätshemmenden Missständen innerhalb einer Redaktion, beispielsweise unproduktive und frustrierende Konferenzen. Analysen und Vorschläge zur Verbesserung - etwa Workshops oder Kleingruppen statt Konferenzen - halten sich dabei die Waage.
Meyer ist ein ausgewogenes, dramaturgisch gut aufgebautes Buch über Strukturen der Kreativität gelungen. Redaktionsleiter werden es zwar besser nutzen können als junge Journalisten. Aber auch ihnen ist es zu empfehlen. Jeder professionelle Schreiber, der sich früher oder später in Gewohnheiten verliert, wird daran denken müssen, die Gedanken wieder in Bewegung zu bringen.

Jens-Uwe Meyer: Journalistische Kreativität. UVK, Konstanz 2003. 168 Seiten, Paperback. 19,90 Euro.

Sabrina Janesch




Logo politik

© lit06.de, 2006

Logo politik

Service